BLINDE KUH ODER KAFKAS LABYRINTH

EIGENPRODUKTION
PREMIERE
FR., 16. JUNI 2017 | [THEATER | OBJEKT] HALLEIN

Sie sind da, aber noch nicht angekommen.
Der Weg bis hierher war lang, die Wege hier sind es auch. Insbesondere die Amtswege. Umwege, Sackgassen, verschlungene Pfade: Drei Menschen, gestrandet als Flüchtlinge in Europa verlieren sich im bürokratischen Papierkrieg. Ein grotesk – komisches Stück, bei dem Kafka Pate gestanden ist.
Texte von Hans Magnus Enzensberger, Franz Kafka, Meta Merz, Amin Maalouf, Esther Rauch und Jura Soyfer.

Mit Alaaeldin Dyab, Amin Dyab, Wolfgang Kandler,  Anna Russegger, Caspar Russegger, Valerie Schöberl, Michel Widmer, Rachid Zinaladin
Konzept & Regie: Christa Hassfurther, Bashir Khordaji

INHALT
Im Zentrum des Geschehens steht der Beamte Josef L., eine kafkaeske Figur, er führt die standardisierten Befragungen durch und entscheidet, wer bleiben darf und wer das Land verlassen muss. Ein kleiner Gott. Er tut seine Arbeit gewissenhaft, aber freudlos, manchmal zynisch.
Seine Sekretärin, eine gebürtige Bosnierin, gut integriert und assimiliert, ist ihrem Chef stets zu Diensten. Die allseits gegenwärtige blinde Justitia würfelt darum, wer bleiben darf und wer nicht.
Und dann gibt es drei Männer, Flüchtlinge, sie befinden sich im Wartezimmer des Amtes.
Sie warten und während dessen triften sie immer wieder ab in ihre Erinnerungen. Und das sind nicht die großen Geschichten des Weltgeschehens. Es sind die ganz persönlichen Wünsche und Sehnsüchte von Menschen, die ihr Leben in die Hand nehmen wollen: Da ist Said, der von seiner jungen Ehefrau träumt, mit der er vor der Rache der Eltern aus Afghanistan geflohen ist und die jetzt im Iran festsitzt. Er wollte nie von zu Hause weggehen. Oder Karim, der bereits einen Pass hat, aber nach Frankreich übersiedeln möchte und nicht versteht, dass das nicht möglich sein soll.
Der kommunikationsfreudige Ali wiederum nimmt mit Einheimischen zum ersten Mal Kontakt auf und scheitert kläglich beim Versuch Tabak zu kaufen, weil er den Mann von der Trafik nicht versteht.
Kafkas kurze Erzählung „Eine kaiserliche Botschaft“ bildet die dramaturgische Klammer.

GRUNDTHEMA
Zentrales Thema des Stücks ist die Frage, wie Integration und Identität sich vereinbaren lassen. Was macht Integration aus? Woran ist sie erkennbar? Was wird von der Gesellschaft erwartet? Was macht Identität aus? Was hat Identität mit Familiengeschichte zu tun? Muss man etwas von seiner Identität aufgeben, wenn man sich integrieren will?
Gemeinsam mit dem aus Syrien stammenden Regisseur Bashir Khordaji entwickelte Christa Hassfurther, inspiriert von den Erzählungen von Flüchtlingen, kombiniert mit literarischen und dokumentarischen Texten, ein grotesk – komisches Stück.

 

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